Drucken

Niederkalbachs Weberei

Samstag, 28. Februar 2009 um 15:39 Uhr

In Niederkalbach in der Hardt war in den achziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Weberei ( der Standort war der jetzige Gemüsegarten des Hofes Weber).
Im Volksmund auch Hardt-Fabrik genannt. Viele Leute aus unserem Dorf wurden hier beschäftigt. Die älteren Mitbürger werden sich noch gut erinnern. Durch die Initiative meines Ur- Ur- Großvaters Alexander Weß (geb. 1845) wurde diese Fabrik auf unserem Hof gebaut. Alexander Weß war in den 80er und 90er Jahren Mitglied des Kreistages. Dort lernte er den Wirtschafts- und Kommunalpolitiker Richard Müller kennen, der in Fulda die Filzfabrik gegründet hatte.

Weil in den Dörfern die Verdienstmöglichkeiten sehr schlecht waren, entschloß man sich zum Betrieb einer Weberei in Niederkalbach. Dadurch kamen die Familienväter in den Genuß der heute nicht mehr wegzudenkenden Sozialversicherung.
Die Fabrik war ein dreigeschossiger Fachwerkbau mit drei großen Sälen. In jedem Saal standen 15 große Webstühle, alle mit Handbetrieb. Es wurden hauptsächlich Teppiche und Tischdecken hergestellt. Die fertige Ware wurde mit einem Pferdegespann von Hermann Dangel nach Neuhof zur Bahn gebracht. Das Rohmaterial wiederum wurde mit nach Niederkalbach genommen. Diese Erzeugnisse wurden bis 1908 hergestellt. Als sich dann die Fabriken mit Maschinen ausrüsteten war der Handbetrieb unrentabel. Bis zum ersten Weltkrieg 1914-1918 wurden in Niederkalbach noch Putzlappen hergestellt.
Als die Männer in den ersten Weltkrieg zogen, mußte der Betrieb eingestellt werden. Im Jahre 1920 wurde die Fabrik zum Abbruch freigegeben, da sie ohnehin baufällig war.